Körper-Stimmtraining und Sprechausdrucksübungen

Rezension von Heidi Puffer: ABC des Sprechens. Grundlagen, Methoden, Übungen

Sprachheilarbeit, 56 (2011), 4, S. 216

Nachdem vor gut drei Jahren im Henschel-Verlag das „ABC des Singens” des Phoniaters Wolfram Seidner mit genauen Darstellungen zur Atmung, Stimmerzeugung und Klangformung erschienen ist, können nun vom „ABC des Sprechens” der Sprecherzieherin Heidi Puffer physiologische Details nur am Rande erwartet werden.

Die Autorin hat ein Übungsbuch geschrieben, in dem zunächst die klare Gliederung auffällt. Getreu dem Buchtitel ordnete sie den Inhalt in drei Kapitel: A wie Grundlagen zum Körper, zur Atmung und Stimmgebung; B wie Sprechen und seine Ausdrucksmittel; C wie Selbsteinschätzung. Das letzte Kapitel beinhaltet Übersichten mit einzelnen in den vorherigen Kapiteln beschriebenen Übungen.

In diese etwas klein geratenen Tabellen können selbst festzulegende Ziele und Beobachtungen beim Üben eingetragen werden. Hier erfahren wir, dass Heidi Puffer mindestens vier Wochen für ein erfolgreiches Training vorsieht. Für das vorher auf Seite 92 entworfene Programm sollte „wenigstens dreimal wöchentlich eine Stunde Zeit” verwendet werden.

Dieses Körper-Stimmtraining steht als Ergebnis am Ende des Kapitels A. Für das Programm hat Heidi Puffer zuvor 20 Körperübungen, 15 Atmungs- und 34 Stimmübungen ausführlich vorgestellt.

Sie bezieht sich dabei auf Erkenntnisse von Moshé Feldenkrais, die Alexander-Technik und die Methode von Kristin Linklater, für die sie autorisierte Trainerin ist. Die Übungen sind keine Schreibtischarbeit. Geübt wird im Liegen, Sitzen, Stehen und Gehen.

Die Autorin empfiehlt, eine geeignete Räumlichkeit auszuwählen und gelegentlich zu zweit zu üben, um Rückmeldungen zu erhalten. Die einfühlsamen Beschreibungen und Fotos erinnern an die Studentenausbildung im Theaterfach.

Manche temperamentvolle Formulierung, wie „Schütteln Sie während des Seufzens mit Ihren Händen Ihre Bauchdecke über dem Zwerchfell leicht in Richtung Wirbelsäule nach hinten.” (Seite 66) oder „Seufzen Sie Ihre Stimme los, so dass ein längerer Stimmlautklang auf einer Tonhöhe entsteht.” (Seite 77), könnte für ein Fachbuch überdacht werden. Einzelne Körperübungen, wie beispielsweise „Kopfüber” (Seite 28) werden auch für die Atmung (Seite 44) und für die Stimme (Seite 88) genutzt.

Die Körperübung „Kopfüber” mit der Aufrichtung Wirbel für Wirbel ist auch als „Farnblatt” oder „Farnübung” bekannt. Mit dem Lösen von Fehlspannungen und der Freisetzung der Atmung wird die „direkte Stimme” gefunden. Die sprechende Person fühlt was sie sagt und täuscht keine Stimmungen („falsche Theatertöne”) vor (Seite 60).

Knapp und präzise führt Heidi Puffer im Kapitel B mit den Modellen und Begriffen von Hellmut Geißner in die sprechwissenschaftlichen Grundlagen ein, um dann auf dem Gebiet der Sprechausdrucksmittel erneut Übungen (14) anzubieten.

Hierfür hat sie gute Sachtexte sowie geeignete literarische Proben von Georg Büchner, Wilhelm Busch, Robert Gernhardt, Heinrich von Kleist und Peter Brook ausgewählt. Erfreulich ist, dass sie zu Aufnahmen und damit zur Selbstwahrnehmung ermuntert. Geübt werden Akzentuierungen durch Veränderung der Tonhöhe (melodischer Akzent), der Lautstärke (dynamischer Akzent) und der Tonhaltedauer (temporaler Akzent).

Zur Differenzierung von langen und kurzen Vokalen in den Übungswörtern ist jedoch anzumerken, dass hier keine sprechgestalterische, sondern eine normphonetische Funktion vorliegt. Für das Üben stimmlicher Klangfarben könnten diese für die Textgestaltung noch genauer beschrieben werden.

Es folgen Übungen zum Sprechtempowechsel, zur Pausensetzung und Artikulation. Zum Üben der klaren Artikulation verweist Heidi Puffer auch auf die sprecherische Präsenz und erinnert an den Ausspruch Kristin Linklaters „Schwammiges Denken ist ein grundlegendes Hindernis für klare Artikulation.” (Seite 130)

Als Übungstexte verwendet die Autorin bekannte Zungenbrecher. Für vertiefende Übungen zur Artikulation und Sprechgeläufigkeit gibt es ein „Sprecherzieherisches Übungsbuch” von Edith Wolf und Egon Aderhold, erschienen im Henschel-Verlag.

Nach dem Kapitel C mit den Übersichten zur Selbsteinschätzung folgen ein Verzeichnis der im Buch beschriebenen Übungen mit Seitenangabe und Literaturhinweise. Das „ABC des Sprechens” ist mit seinem reichen Übungsfundus nicht nur ein „Ausbildungs-ABC”, sondern auch ein gutes Nachschlagewerk für Lehrende.

Rezension

Heidi Puffer: ABC des Sprechens. Grundlagen, Methoden, Übungen. Leipzig: Henschel Verlag 2010. 160 Seiten. 16,90 Euro; ISBN 978-3-89487-670-8

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